> Ratgeber > Vom Date zur Beziehung > Die rosarote Brille: Wie sie den Beziehungsalltag beeinflusst

Vom Date zur Beziehung

Die rosarote Brille: Wie sie den Beziehungsalltag beeinflusst

Am Anfang jeder Beziehung trägt man sie. In ihrem Licht wirken selbst schräge Ticks und Macken des Partners absolut liebenswert. Die Rede ist von der berühmten rosaroten Brille. Sie lässt den Liebsten oder die Liebste perfekt erscheinen. Aber was passiert da eigentlich im Körper dieser ersten und so wichtigen Phase einer neu entstehenden Partnerschaft?

Rosa Brille Anfangs kennt das Verliebtsein keine Grenzen  –   © iStock

Verliebte beschreiben diese innigen Momente mit einem neuen Partner durchweg mit ähnlichen Worten. Es geht fast immer um „Schmetterlinge im Bauch“, „Herzrasen“, „Kribbeln“, „ein Gefühl wie im Rausch“, und ein intensives Glücksgefühl kommt noch oben drauf. Die rosarote Brille ist ein zusätzliches, sehr sicheres Zeichen dafür, dass man mitten in der ersten Phase einer Beziehung steckt – in der Verliebtheitsphase!

Mit dieser rosaroten Brille wird der verklärte Blick auf den neuen Liebsten oder die neue Liebste umschrieben: Denn er oder sie ist selbstverständlich völlig ohne Fehler, absolut perfekt und optimal als Partner geeignet. Jeder Außenstehende kann die – ganz normalen – kleinen Macken und Ticks sehen, die er oder sie mit in die Partnerschaft bringt. Der oder die Verliebte dagegen ist gegen all diese menschlichen Fehler völlig blind.

Stattdessen ist der oder die Liebste

  • definitiv attraktiver und klüger
  • körperlich perfekt, natürlich auch bei Unter-/Übergewicht
  • humorvoller

als vorherige Partner oder verglichen mit einem objektiveren, also „nicht-verliebten“, Urteilsvermögen.

Und das ist gut so! Denn müsste man sich bereits bei den ersten, noch unsicheren Schritten in einer Partnerschaft mit dem herumstehenden Geschirr, liegen gelassener Kleidung oder dieser ärgerlichen Unpünktlichkeit herumschlagen, würden noch mehr Beziehungen bereits bei den Anfängen scheitern.

Nur der verklärte Blick bewahrt uns davor, den Traumpartner chancenlos und sofort in die Wüste zu schicken. Stattdessen sind die Schmetterlinge im Bauch und das aufgeregte Herzklopfen Grund genug, immerzu an den Traumpartner zu denken. Vom Aufwachen bis zum Schlafengehen drehen sich alle Gedanken nur um den oder die Liebste.

Ist es denn wirklich Liebe, die blind macht?

Ja. Exakter müsste es zwar heißen, dass Verliebtheit blind macht. Aber generell sorgen der Umbau im Gehirn und die zum Einsatz kommenden Botenstoffe dafür, dass an Angst oder Flucht nicht zu denken ist. Auch dann nicht, wenn das Verhalten des vielleicht nur vermeintlichen Traumpartners eigentlich zum Davonlaufen wäre.

Stattdessen werden Fehler und Unzulänglichkeiten ausgeblendet und der Partner als der perfekte Gegenpart verklärt. In gesunden Beziehungen mit einer stabilen gemeinsamen Basis erwächst daraus eine tiefe und innige Liebe, die auch das Ende der ersten Verliebtheitsphase gut überstehen wird. Ungesunde Partnerschaften dagegen sind für Freunde und Familienangehörige oft schon von Anfang an gut sichtbar – nur der oder die Verliebte kann von den Fehlern des Partners nichts sehen.

Möglich machen das das Kuschelhormon Oxytocin, aber auch Testosteron und das Stresshormon Adrenalin. Letzteres bewirkt ganz real das vertraute Herzklopfen – denn Verliebtsein ist purer Stress. Die Pupillen sind stärker erweitert als normal, durch den allgemein gesteigerten Aktivitätslevel schwitzt man schneller und die Haut wird stärker durchblutet. Der rosige Schimmer auf den Wangen, das schnellere Erröten bei emotionalen Augenblicken – all diese körperlichen Signale zeigen ganz deutlich, dass man sich kopfüber im Liebesglück wiederfindet.

Rosarot als Chance: Beziehungsglück mit leicht verzerrter Wahrnehmung

Verliebt © Fotolia

Der anfangs verzerrte Blick auf den Liebsten/die Liebste könne eine Chance auf ein ungetrübtes und glückliches Beziehungsleben sein, sagen manche Eheberater. Andere sehen es als größten Gewinn, direkt zum Beginn der Beziehung mit einer Paartherapie zu starten – um die rosarote Brille möglichst schonend absetzen zu können.

Tatsächlich ist in einer Beziehung jeder selbst für seine Gefühle und deren Ausleben zuständig. Wer sich in einer langjährigen Beziehung deshalb vor allem auf alles Schwierige konzentriert, hat das zunächst selbst in der Hand:

  • Was gibt es Gutes am Partner, was gefällt einem besonders?
  • Wo sind die schönen Dinge im Alltag?
  • Wie zaubert der oder die Liebste einem das Lächeln ins Gesicht?

Diese und ähnlich gelagerte Fragen unterstützen dabei, den Fokus weg von negativen und hin zu positiven Aspekten in der Beziehung zu drehen. Vor allem in Langzeitbeziehungen ist eine gewisse „Blindheit“ gegenüber den kleinen Macken des Partners ein regelrechter Glücksgarant - solange sie stillschweigend seine liegen gelassenen Socken wegräumt und er ganz selbstverständlich hinter ihr die brennen gelassenen Lichter löscht – und beide glücklich damit sind.

Stabile langjährige Beziehungen leben davon, dass man sich ein gewisses Maß an Ignoranz für die Schwächen des Partners bewahrt. Stattdessen erfreut man sich an seinem feinen Sinn für Humor oder genießt gemeinsam geteilte Hobbys.

Tipps für den Beziehungsphasen-Wechsel

Es ist allerdings unvermeidlich, zumindest ab und an in die Realität vorzustoßen. Mit aller Klarheit springen einem dann die negativen Seiten des Partners entgegen. Wer sich liebt, kann damit in aller Regel umgehen. Der Umschwung vom hormonellen Rauschzustand hin zu einem eher normalen Level kann trotzdem herausfordernd sein.

Paartherapeuten raten dazu, bewusst auf Schwächen des Partners zu achten.

  • Ist er/sie häufig unpünktlich oder immer überpünktlich?
  • Lässt er/sie häufig Sachen liegen oder wird alles äußerst penibel verräumt?
  • Prescht er/sie bei Entscheidungen vorneweg oder dauert es ewig, bis eine klare Entscheidung gefällt wird?
  • Flirtet er/sie gern oder kommt es zu Anfällen von Misstrauen?

Diese oder andere Schwächen machen, neben allen Stärken und positiven Eigenschaften, erst den Kern des Menschen aus. Wer wirklich liebt, kann im Verlauf der Beziehung diese Eigenarten des Partners akzeptieren. Weil man ihn als Mensch genauso kennen- und lieben gelernt hat.

Bei diesem Wechsel zwischen der Verliebtheitsphase hin zur stabilen Partnerschaft zerbrechen viele Beziehungen. Man merkt, dass es ohne das große Hormontreiben im Kopf mit dem Liebsten dann doch nicht passt. Hier gibt es eins zu bedenken: Eine gesunde und stabile Beziehung erfordert Arbeit. Sie benötigt Pflege und Hingabe und auch Geduld. Verständnis für den Partner und Verständnis vom Partner sind notwendig, um aus zwei Erwachsenen wirklich ein Paar zu machen.

Mehr zum Thema:

Testen Sie Parship kostenlos.

Ich bin
Ich suche

Wenn Sie auf "Partnersuche starten" klicken, akzeptieren Sie unsere AGB und erklären unsere Datenschutzbestimmungen gelesen zu haben.

Forum
Ratgeber

Der Ex-Partner meldet sich wieder – Wie soll man damit umgehen?

Die Nachricht vom Ex: Sie kommt unerwartet und lässt viele Fragezeichen zurück. 
Mehr erfahren

Date

Nach einem Date fragen

Wie fragt man eigentlich nach einem Date? Hier sind Tipps und Strategien versammelt. 
Mehr erfahren

Error with static Resources (Error: 418)